Ein kleiner Junge von viereinhalb Jahren fegt mit seinem „Kettcar“ durch Halver, so schnell es ihm seine Beine erlaubten. Keine Kurve ist zu scharf, keine Talfahrt zu steil. Als sein Vater dann von „Kettcar“-Wettfahrten erfährt, beginnt das Rad sich zu drehen.
So begab sich die Familie nach Hessen und ließ den Filius an einem Tretcar-Slalom teilnehmen. So hieß die sportliche Disziplin korrekt.
Als einer der jüngsten überhaupt gewann der kleine „Rennfahrer“ noch nicht einmal den berühmten Blumentopf. Doch die Urkunde, die ihm bei der Siegerehrung überreicht wurde, machte ihn schon ein wenig Stolz. Die Halveraner Familie gewann Spaß an diesen Wettbewerben. Sonntag für Sonntag ging's fort an ins Hessische. Die Region zwischen Gießen und Frankfurt war in diesem Sport außerordentlich aktiv. In NRW hingegen gab es diesen Sport nicht.
In den folgenden zwei Jahren entwickelte sich der Junge, Roy ist sein Name, zum Spezialisten dieses Kindersports. Für einen Gießener Motorsportclub startete er erfolgreich in verschiedenen Meisterschaften, wurde u.a. Hessen-Vizemeister und zweiter im Wetterau-Cup.
Kein Wunder, dass, bei rund 20 Wettbewerben im Jahr, Roy und seine Eltern viele Erfahrungen sammeln konnten. Diese sollten einmal eine wertvolle Basis für den Erfolg des Halveraner Motorsportclubs darstellen.
Inzwischen war Roy in das Alter gewachsen, auch Kartslalom fahren zu können. Die sportlich nächste, motorisierte Stufe seines Sports. Da es hierfür aber des häufigen Trainings bedurfte, war der Weg nach Hessen zu weit. In Radevormwald fand der nun Siebenjährige die Möglichkeit dazu. Die Doppel-Belastung wurde für die Halveraner Familie aber zu viel. Ein Gedanke machte sich breit...
1993: Beim „Halveraner Herbst“ standen jede Menge der rot-weißen Pylonen auf dem Famka-Parkplatz und markierten einen Weg. Drei Go-Karts, geliehen von den hessischen Sportfreunden, warteten auf die Kinder, die mit ihnen durch das scheinbare Durcheinander fahren sollten. Es kamen viele und fast einhundert versuchten sich in der unbekannten Sportart, dem TretcarSlalom.
Nach dieser Demonstration wandelte sich der Gedanken zu Plänen. Und diese reiften in dem nachfolgenden Winter. Mit Freunden und Verwandten gründete jene Familie aus Halver dann am 19. Januar 1994 das Autosport Junior Team Halver e.V. mit dem Ziel, TretcarSlalom für Kinder in Halver und Umgebung anzubieten und diese Disziplin in NRW zu fördern.
Die Tretcar-Wüste Nordrhein-Westfalen zu beleben, wurde mit der Gründung die Aufgabe des AJT Halver e.V. Dank der Unterstützung der Initiative Pro Halver, der Sparkasse Halver sowie eines Lüdenscheider Spielwarenhändlers und der geschickten und kreativen Arbeit eines gewissen Opas verfügte der Verein bereits nach wenigen Wochen seines Bestehens über die notwendige Ausrüstung um sich professionell der Herausforderung stellen zu können. Bereits zu Beginn wurde die Philosophie des AJT Halver in Stein gemeißelt. „Was wir machen, versuchen wir besser zu machen als andere.“
Unzählige Eindrücke aus zahlreichen Veranstaltungen in Hessen waren im Kopf des Initiators des Vereins, Holger Streit, fest nach gut und schlecht sortiert. Positive Erfahrungen wurden übernommen, negative aussortiert. So war bereits der erste organisierte und durchgeführte TretcarSlalom im Mai 1994 überzeugend. Die Zielgruppe, Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren, wurde erfolgreich angesprochen. Erste Interessierte fanden sich ein und das kleine Team vermehrte sich deutlich. Ein zweiter TretcarSlalom im Herbst tat ein übriges. Der Anfang war geschafft. 1995 folgte der nächste Schritt. Mit Unterstützung der heimischen Landesgruppe des Deutschen Motorsportverbands (DMV) wurde die erste regionale Meisterschaft im TretcarSlalom
ausgeschrieben. In sechs Städten NRW's organisierte und veranstaltete das AJT Halver Wettbewerbe. Auch auswärts fand die neue Sportart Anklang.
Seit 1996 schreibt das AJT jährlich die NRW-Meisterschaft im TretcarSlalom aus. Sechs Wettbewerbe in verschiedenen Orten Nordrhein-Westfalens bilden dieses Championat. Offen für alle Kinder in den entsprechenden Altersklassen.
Im gleichen Jahr gab es eine weitere Orientierung im AJT. Der Blick in die Zukunft ließ erkennen, dass künftig eine Angebotslücke für die dem Tretcar entwachsenden Kinder entstehen würde. Finanziert von einigen Eltern, wurde ein gebrauchtes Kart gekauft. Das Training im motorisierten Slalomsport begann und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren zaghaften Anfang. Die älteren Tretcar-Fahrer waren nun parallel auch im Kart aktiv. Sie bildeten eine kleine Gruppe, die zunächst einige Kartslalom-Wettbewerbe in NRW bestritt. Wiederum bekam der Verein Zuwachs, denn die motorsportliche Betätigung blieb nicht verborgen. Es waren nun auch ältere Fahrer, die die Mitgliederstruktur des AJT veränderten. Für alle war es eine Zeit des Lernens. Erfolge blieben vorerst bescheiden.
1997 folgte ein weiterer Meilenstein. Der Famka-Parkplatz in Halver wurde zum „Motodrom“. Erstmals fand in Halver ein Kartslalom statt und auch für das AJT Halver war es ein Debüt als Veranstalter eines solchen Wettbewerbs. Dank der Unterstützung anderer Motorsportclubs und Lohmann Motorsport wurde es ein Erfolg. Mit dem Erlös dieser Veranstaltung und Zuschüssen von DMV und LSB konnten zwei neue Karts angeschafft werden. Diese wurden dringend benötigt um die Trainingsqualität zu verbessern und 1998 einen Lauf zur NRW-Meisterschaft durchführen zu können. Mit dem Parkplatz des Märkischen Werks, als neuem Trainings- und Veranstaltungsplatz, stand ein hervorragendes Gelände zur Verfügung. Die Resonanz bei den Teilnehmern war durchweg positiv.
1999 kam dann der große Durchbruch. Der Meisterschaftslauf in Halver bekam das Prädikat eines Vorlaufs zur Deutschen Meisterschaft und erstmals qualifizierten sich drei AJT-Fahrer für die Endläufe der Deutschen Meisterschaft. Ein NRW-Vizemeistertitel konnte nach Halver geholt werden.
Die in den Jahren stetig intensivierte Trainingsarbeit hat die Kartfahrer des AJT zu einer ernsten Konkurrenz für die alteingesessenen Vereine werden lassen. Die Leistungskurve stieg konstant an. 2001 gewannen mit Joy Streit und Marian Stolz unsere ersten Kart-Fahrer die NRW-Meisterschaft, einen weiteren Erfolg bescherte uns die junge Dame mit der Deutschen Vizemeisterschaft.
2003 formierte sich ein Kart-Langstreckenteam bestehend aus vier AJT-Mitgliedern, die ihren motorsportlichen Horizont erweitern wollten und fortan in der „German Team Championship“ um Annerkennung und Pokale kämpften.
Einer dieser Vier war Maik Rzonsa, der 2004 weitere Pionierarbeit leistete, indem er sich dem Kartslalom komplett lossagte um im Autoslalom Fuß zu fassen. In den Folgejahren folgten viele seinem Beispiel und es etablierte sich eine feste Autoslalom-Gruppe im Verein, die sich seither steigender Beliebtheit erfreut.
Im zehnjährigen Jubiläumsjahr 2004 stand zudem ein weiterer Höhepunkt bevor. Die Bewerbung des AJT um die Ausrichtung eines Finallaufs zur Deutschen DMV-Jugendkartslalom-Meisterschaft wurde positiv entschieden. Damit sah sich das Autosport Junior Team Halver e.V. mit seiner bislang größten Aufgabe als Veranstalter konfrontiert, ein hochkarätiges Championat mit rund zweihundert Startern auszurichten. Dafür, und gerade dafür, galt die eingangs erwähnte Philosophie des AJT ganz besonders, denn ganz Deutschland blickte nach Halver. Gutes wurde übernommen, Schlechtes wurde aussortiert! Das und die aufopferungsbereiten Mitglieder waren schließlich das Rezept für einen Top DM-Endlauf, der von allen Seiten viel Lob erntete.
In selbigem Jahr feierte auch der AJT-Wintercup seine Premiere, der in den motorsportarmen Wintermonaten die Mitglieder des AJT vorm Einrosten schützen sollte. Bis 2007 gab es vier Auflagen der beliebten Wintermeisterschaft.
Leider gab es auch traurige Nachrichten zu vermelden. Nachdem sich in NRW kein weiterer Verein bereit erklärte, den Tretcar-Slalom zu unterstützen, sah sich das Autosport Junior Team gezwungen, die eigenen Tretcaraktivitäten nach zehn Jahren einzustellen und sich fortan auf Kart- und Autoslalom zu konzentrieren.
Mit Jonas-Tom Selter trat 2007 ein weiterer Pionier in Erscheinung. Neben dem Kartslalom startete er im Superkartslalom und sorgte dort für Akzente. Auch in diesem Bereich hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe etabliert.
Ab 2005 nahm das AJT eine dominierende Stellung im Jugendkartslalom ein. In jenem Jahr gewann Roy Streit zum ersten Mal die Deutsche-DMV-Jugendkartslalom-Meisterschaft und in Nordrhein Westfalen holten sich die Westfalen 6 von 9 möglichen Titeln. Bis 2008 kamen weitere 12 NRW-Titel und vier DM-Triumphe hinzu. Vorallem der Gewinn der Deutschen Clubmeisterschaft 2008 ehrt die Halveraner besonders.